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Pietà (lat.-it.)
Darstellung Marias mit dem Leichnahm Christi auf dem Schoß.
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longing for some rest

Grüße aus der neuen Heimat!

Vor mehr als zwei Wochen bin ich jetzt safe and sound in Saarbrücken angekommen in meiner liebsten WG mit einer wunderbaren Mitbewohnerin. Ich denke, bei zwei Leuten kann ich mich gut an das WG-Leben gewöhnen und ich tat gut daran, nicht in eine größere WG zu ziehen. Das Studium hat vor 12 Tagen begonnen und es ist ... ja. Es ist merkwürdig, dass man im Grunde so wenig dafür tun muss, da der Großteil doch Selbststudium ist und nicht kontrolliert wird. Das bin ich nicht gewohnt und das mag ich nicht unbedingt, aber daran werde ich mich schon gewöhnen und eben umso mehr "selbst studieren". So langsam lernt man auch die Menschen kennen, erkennt sich auf der Straße und grüßt sich. Die Grüppchen bilden sich, aber nicht so extrem, dass man nicht mit den anderen Kontakt halten würde. Uns vereint eben doch noch das schüchterne "Entschuldigung, ich bin Erstie, ich darf das falsch machen, oder?" und das "Wo zur Hölle ist der Raum??? Oh, da..." Es macht Spaß endlich das zu lernen, was ich all die Jahre machen wollte und ich habe große Ambitionen und vor allem hohe Erwartungen an mich selbst, die ich erfüllen muss.

J. und ich haben dann in einem Moment geistiger Verwirrung entschieden, das erste Referat zu halten und das bereits am kommenden Donnerstag. Nun sind wir also bis Montagabend im "Stress", unser Material schnell genug fertig zu bekommen, damit wir es rechtzeitig unserer Dozentin schicken können. Glücklicherweise ist das Ding nicht benotet, trotzdem habe ich den Anspruch, "perfekt" zu machen. Es befriedigt mich mehr, endlich etwas zu tun, als nur den Professoren zuzuhören und mitzuschreiben, nach Hause zu kommen, das Kapitel schnell nachzubearbeiten und dann Feierabend zu machen. Natürlich ist mir ein Großteil der Dinge schon wenigstens ansatzweise bekannt - Freud, Lerntheorien, psychische Störungen. Trotzdem genieße ich die Zeit ... oder versuche es jedenfalls.

Die letzten Tage sind besonders merkwürdig. Ich vermisse America und ich weiß nicht, wieso auf einmal. Ich träume davon, ein oder zwei Auslandssemester dort zu bleiben. Ich vermisse Donna und Matt und die Kids, Calvin und Cary und Silka und Josi und Lisa und Heather. Und ich vermisse die Scala und die Kids vom Kindergottesdienst, mein Zuhause. Zwischenmenschliche Beziehungen strengen mich ab einem gewissen Punkt sehr an, aber diese vermisse ich sehr. Solange ich ab und zu auch schweigend auf dem Campus einen Kaffee genießen kann, ist das wenigstens ein kleiner Ausgleich für mich. Aber ... ich vermisse sie und bin überrascht ob des "Heimwehs", das mich erwischt hat.
Seit ich aus Amerika zurück war, hatte ich Fernweh - ich konnte es nicht erwarten zu gehen, irgendwohin, weg. Nun habe ich Heimweh. Aber nicht unbedingt nach Magdeburg - ich habe Heimweh nach Amerika, Heimweh nach der Scala, Heimweh nach den Leuten, die mich so gut kennen, dass ich mit ihnen schweigen kann. Es gibt wenig Menschen, bei denen ich mich innerlich zurücklehnen, schweigen und entspannen kann. 95% dieser Menschen leben momentan zu weit weg von mir - die restlichen 5% sind zu beschäftigt sich mit mir zu treffen. Ich stehe diese Tage vor der Herausforderung, mich bei Gott und bei mir zurückzulehnen und mich schweigend zu entspannen. Das ist ungewohnt für mich und ich weiß nicht, wieviel Zeit und Überwindung mich das kosten wird. Aber ich glaube ... ich glaube, das wird es wert sein.

Und bis zu diesem Punkt folgen noch unzählige video chats, Chatgespräche und Telefonate mit all den Personen, die mir hier am meisten fehlen. Ich glaube, die Zeit wird gut.
30.10.10 12:59
 


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